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Wir Murnauer Schäffler müssen heute von Dir, einem um den Murnauer

Schafflertanz besonders verdienten Schaffler, Abschied nehmen.

Du bist erst 1949 aus der Gefangenschaft zurückgekehrt und hast sofort mitgemacht, als es hieß, den Schafflertanz wieder aufzuführen, um den Menschen wieder Lebensfreude zu geben und Lebensmut zu verbreiten. 1950 beim Wiederanfang hast Du dann alle 120 Tänze mitgetanzt, keinen ausgelassen. Groß war für dich die körperliche Anstrengung nach der langen Gefangenschaft, aber viel größer noch war Deine Freude, überlebt zu haben und wieder gesund daheim zu sein.

Von 1957 bis 1992 sechsmal Reifenschwinger – das ist einzigartig. Wichtiger als dieser Rekord war für uns aber: Du warst immer Vorbild, Respektsperson, aber im besonderen auch ein wunderbarer Schafflerkamerad.

1992 als ich anfing, warst Du für uns Junge die graue Eminenz der Murnauer Schäffler und in Deiner letzten Saison. Aber Du hast uns Neue sofort spüren lassen, das wir willkommen sind und die Kameradschaft, das einzigartige Miteinander zwischen Jung und Alt bei den Schafflern vorgelebt.

7 Jahre später, als ich als Reifenschwinger in Deine Fußstapfen treten durfte, hast Du mir mit großem Eifer und Geduld bei Dir um Getränkelager gezeigt, wie man mit den Reifen umzugehen hat.

Wenn es notwendig war, warst Du aber auch einer, der gesagt hat, wos langgeht und jeder hat auf Dich gehört. So kam es auch vor, dass Du einen Schaffler in der Früh wieder heimgeschickt hast, um seine Schuhe zu putzen.

Unvergessen ist, als Du beim Probenbeginn im Griesbräukino 2012 in bewegenden Worten Rückschau auf Deine Schafflerleben hieltest. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können und da begriff auch der Letzte, was es bedeutet, Schaffler zu sein. Du warst ein Mann des Wortes: zum einen hieltest Du Wort und standest zu etwas zum zweiten galt Dein Wort etwas zum dritten bewegten Deine Worte.

Bei der Trauerfeier für Deine Frau Karolina im Juni 2013, nahmst Du in bewegenden Worten Abschied von ihr. Deine Frau, die Du beim Schäfflerball kennen gelernt hattest, wie Du uns erzählt hast.

Du standest zu Deinem Wort und liefertest Dir unvergessene Rededuelle mit Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Du sprachst auch vor seinem Amtsvorgänger Alfons Goppel und vor seinem Amtsnachfolger Max Steibl, vor Landtagspräsidenten und vielen anderen Prominenten, und trafst dabei in begeisternder Art und Weise immer den richtigen Ton.

Wenn heute die Schäffler in Murnau einen hohen Stellenwert genießen, dann haben sie es im besonderen auch Kameraden wie Dir zu verdanken. U.a. auch deswegen bist Du 1989 – 130 Jahre nach dem ersten Tanz in Murnau - Ehrenmitglied bei uns Schafflern geworden.

Du hast Dich unglaublich für Geschichte – insbesondere auch die Heimatgeschichte interessiert – und oft waren Deine Reden lebendige Heimatkunde. Du wolltest Dich dabei nicht hervortun – es ging Dir einfach um die Sache im Besonderen um die Schafflersache.

Wir haben uns sehr gefreut, dass Du mit uns noch das Jubiläum 150 Jahre Murnauer Schäfflertanz mit Sonderausstellung und die Eröffnung 2013 feiern konntest.

Eigentlich hatten wir uns mit Dir für 2020 verabredet und Du hattest lachend versprochen, dabei zu sein, wenn Du Zeit hast – aber jetzt hast Du die Verabredung mit Deiner lieben Frau, mit Deinen Kameraden Wolf Anderl, Keller Sepp, Herbst Willi, Stuber Franz, Steigenberger Franz, Betzmeir Ludwig und Toni, Baumgartner Anton – um nur einige zu nennen – vorgezogen.

In Dankbarkeit schauen wir auf das, was Du für Deine Schäffler aufgebaut hast, was Du uns hinterlassen hast. Wir werden Dein Andenken bewahren – und gerade auch als Reifenschwinger Dein Erbe weiter tragen.

Vergelt’s Gott, für Alles Sigi

Deine Schaffler.